Neben dem Schulalltag gibt es auch eine Menge Aktivitäten, in denen Sie die Schule und die Schülerinnen und Schüler erleben können. Kommen Sie einfach vorbei und sehen Sie sich an, was wir zu bieten haben.
Jugend schreibt
Jugend schreibt / Jugend liest
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Zeitung in der Schule mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Der Leistungskurs Deutsch der jetzigen Jahrgangstufe 13 nimmt im Kalenderjahr 2008 am Projekt „Jugend schreibt“ teil. Für ein ganzes Jahr erhalten die Schüler des Kurses ein kostenfreies Abonnement der FAZ. Sie haben also viel Zeit, um sich mit dem selektiven Lesen einer anspruchsvollen Tageszeitung vertraut zu machen.
Außerdem können sie Artikel für die jeden Mittwoch erscheinende Sonderseite „Jugend schreibt“ verfassen, die alleine Projektteilnehmern vorbehalten ist.
Das Schreiben für die Zeitung wird im Unterricht eingeübt. Reportagen und Features zu allen Themen, die die jungen Erwachsenen interessieren und betreffen, sind erwünscht. Die Texte werden mehrfach redigiert; erst dann schicken wir sie an die Redakteure der FAZ.
Bereits zwei Texte sind akzeptiert worden, einer davon ist schon in der so genannten „Kleinen Zeitung“ der FAZ und am 3.12 2008 auf der Seite „Jugend schreibt“ in der FAZ erschienen.
Friedrich Jung hat sich in diesem Text mit dem Problem von Obdachlosen auseinandergesetzt und eine ansprechende Reportage verfasst. Der Text hängt in Raum 16 und vor dem Lehrerzimmer aus.
Kira Jaronskis Reportage hat den Titel „Soziales Engagement von Jugendlichen – ehrenamtliche Arbeit im Seniorenhaus“.
Regina Rauh
Menschen dritter oder vierter Klasse
Wie Obdachlose sich Jahre lang, ausgestoßen von der Gesellschaft, zurechtfinden müssen
Nur auf einer kleinen zusammengefalteten Decke sitzt Manuel auf der Hohe Straße in Köln vor einem luxuriösen Juweliergeschäft. Das Einzige, was er hat, trägt er bei sich: Eine übergezogene rote, dicke Jacke mit einer blauen Wollmütze darunter und eine kleine weiße Blockflöte, auf der er die ganze Zeit spielt. Er kniet dort in erniedrigter Haltung auf dem Boden, mit dem Kopf nach unten und bewegt seinen Oberkörper manchmal rhythmisch zur Musik. Wenn ihm jemand mal etwas Geld in seinen Behälter wirft, der neben dem Pappschild mit der Aufschrift „bin obdachlos“ steht, schaut er mit einem ehrwürdigen und dankbaren, aber zugleich verwunderten Blick zu seinem Gönner auf.
Manuel ist 49 Jahre alt und schon seit zehn Jahren obdachlos. „Es traf mich damals wie ein Schicksalsschlag. Meine Frau und meine Kinder sind zur gleichen Zeit gestorben und ein wenig später verlor ich meine Arbeit und meine Wohnung, sowie alle meine anderen Sachen. Dadurch kam ich auf die Straße“, schildert der Mann aus seiner Vergangenheit.
Im Widerspruch zu den typischen Klischees von Obdachlosen, wirkt Manuel trotz seiner leichten Alkoholfahne, durch seine kurzen Haare und seine frische Rasur gepflegt. Im Kontrast steht sein altes, faltiges Gesicht, das deutlich von den Krankheiten und Strapazen der letzten Jahre gezeichnet ist.
Zu Beginn hat sich Manuel als Bettler durchgeschlagen und versuchte durch Schnorren sein Überleben zu sichern. Da dies nicht immer erfolgreich war, sah er sich gezwungen zu klauen. In dieser Zeit kam er auch mit harten Drogen in Kontakt und war für lange Zeit abhängig. „Aber dann habe ich mir eine Flöte gekauft und habe versucht etwas zu machen, um Geld zu verdienen. Da gibt es viele, die nicht so sind, zum Beispiel die Frau da vorne.“ Er zeigt auf eine Frau im grünen Parka auf der gegenüberliegenden Straßenseite, die auch auf der Straße sitzt und bettelt. „Die kenne ich sehr gut. Die schnorrt nur. Ich kann auch Gitarre spielen, aber ich mach das nicht, weil ich nicht singen kann“, sagt Manuel.
Zu den Problemen kommen noch zusätzlich die mit den Ordnungshütern und der Polizei, die ungern Obdachlose in den öffentlichen und belebten Straßen der Großstädte sehen. „Die Polizisten schicken einen immer weg. Die wollen am liebsten alle weg haben.“ Auf die Frage, ob es denn keine Hilfe vom Staat oder anderen Institutionen für die Obdachlosen gebe, antwortet Manuel: „Beim Sozialamt hat man mit Sozialhilfe und Harz IV nicht viel Glück. Um solche staatlichen Hilfen zu beantragen, braucht man eine Wohnung und ein Konto. Deswegen ist man da recht aufgeschmissen. Man bekommt dort zwar ab und zu ein paar Euro zugesteckt, aber bei weitem nicht die 305 Euro, die rechtlich vorgeschrieben sind. Das liegt daran, dass man da auch als Mensch dritter oder vierter Klasse abgestempelt wird“, erzählt der Mann mit den tiefblauen, glasigen Augen, als würde er gleich anfangen zu weinen. „Oft wird man da nach dem Motto behandelt: „Ach du bist doch nur ein verdammter Penner. Du hast doch eh keine Ansprüche. Nimm die paar Euro und hau ab!“ Das ist bei den Tafeln nicht anders, wo umsonst Essen verteilt wird. Oft wird man da aussortiert und nicht berücksichtigt, da dort auch viele Menschen hinkommen, die Familien haben. Und die werden dann als wichtiger eingestuft. Es gibt einfach schon zu viele Menschen, die unter Armut leiden und fremde Hilfe benötigen“, sagt Manuel und schaut dabei etwas abwesend.
Heute spielt Manuel den ganzen Tag auf seiner weißen Flöte und kauft sich mit dem erworbenen Geld ein paar Bier. Ab und zu hat er die Möglichkeit, für wenig Geld sich in bestimmten Häusern zu waschen, was zum Essen zu kaufen und ein paar Tage dort zu schlafen. Trotz all dem zieht Manuel es vor, lieber draußen zu schlafen als in den Obdachlosenheimen. „Da gehe ich nicht mehr hin. Da habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Dort wird geklau. Wenn möglich schlafe ich im freien, zum Beispiel hier in Köln unter der Deutzer Brücke oder allgemein wo es relativ trocken ist
Es gibt Fälle, wo es einige Obdachlose schaffen, wieder in die Gesellschaft zurückzufinden. Aber für viele ist es ein sehr harter und sehr weiter Weg, bis man wieder eine eigene Wohnung und ein festes Einkommen hat. Es gibt aber auch viele, die nicht die Kraft dazu haben. „Die haben einfach keinen Bock mehr oder haben so eine ,Wieso-soll-ich-das-anpacken-ich-schaff-das-doch-eh-nicht‘-Einstellung. Die sind von der Gesellschaft schon so niedergeschlagen , dass nichts mehr geht. Wenn die Menschen hier vorbeigehen, bemerken die einen kaum oder wollen es nicht. Ich bin einfach froh, wenn es schönes Wetter gibt, dann werden die Probleme weniger und es wird besser. Da fängt man auch schon mal an zu träumen, dass mir jemand morgen 50 oder 100 Euro schenkt oder so was. Aber letztendlich hält einem nur noch die Hoffnung, dass es besser wird, am Leben.“
Von Friedrich Jung, Rurtal-Gymnasium, Düren
Arbeitsgemeinschaften
Bilder 2007

