Paddeln auf Weser und Diemel

Zwei Tage mit Schülern im Kanu – und keiner fällt ins Wasser. Wo gibt’s denn sowas? Offenbar sehr talentiert waren die zwei Mädchen und vier Jungen, die sich für das Kanuprojekt angemeldet hatten. Obwohl nach etwas Eingewöhungszeit das Boot als Stand-up-Paddelbrett missbraucht wurde und sogar reißende Yukon-Stromschnellen rückwärts passiert wurden, ist tatsächlich niemand gekentert. 

Die Projekttage im Weserbergland begannen schon am Montagnachmittag. Während die Bahngruppe natürlich nicht ohne Verspätung Rheinland und Ruhrgebiet durchquerte, baute die Autogruppe schon die Zelte auf dem kleinen Campingplatz des Wassersportvereins Beverungen auf. Am Abend blieb noch ausreichend Zeit für einen Grill-Snack.  

Am folgenden Morgen wurden wir um 9:30 Uhr abgeholt und zu unserem Einstiegsplatz in Gieselwerder an der Weser gebracht. Nach einer kurzen theoretischen Einweisung in Paddeltechnik und Verhaltensregeln auf einer Bundeswasserstraße durften wir über einen Steg in den Fluss. Das Einsteigen erwies sich noch als wackelig, aber relativ unproblematisch. Das Boot anschließend in die richtige Richtung zu steuern, war allerdings schon anspruchsvoller als gedacht. Was hatte der Mann da eben noch mal von “Bogenschlag” und der richtigen Griffhaltung gesagt? Ach, hätte ich doch mal lieber zugehört… 

Zum Glück ist die Weser ein breiter Fluss, der nur sehr wenig von Motorbooten befahren wird und somit einige Kreuz-und-Quer-Fahrten toleriert. Die Strömung von 7 km/h tut ihr übriges, dass es zumindest immer irgendwie flussabwärts weitergeht. Die gutmütigen PE-Boote verzeihen auch die eine oder andere Begegnung mit der Uferbegrenzung.   

Nach kurzer Zeit und einigen Aha-Erlebnissen wurden die Schüler mutiger und begannen die ersten Wettfahrten und Rammattacken. Am Ende der fünfstündigen Tour wurden schon während der Fahrt die Plätze und sogar die Boote gewechselt. Insbesondere weil das Wetter etwas schlechter wurde und wir ein paar Regentropfen abbekamen, waren wir ganz froh, das Ziel zu erreichen. Niklas und Daniel – bekannterweise nicht gerade die schlechtesten Schwimmer am RTG – versuchten, die Weser zu durchschwimmen, gaben aber schon vor der Mitte des Flusses aufgrund der starken Strömung auf und stellten sich lieber unter eine wohltemperierte Dusche.  

Am Abend wurde erneut gegrillt und in dieser Nacht waren deutlich weniger Stimmen aus den Zelten zu vernehmen. Am zweiten Tag gab es Frühstück um 7 Uhr, denn eine Stunde früher als am Dienstag wurden wir nach Trendelburg an der Diemel kutschiert. Auf dem Weg dorthin steht der Burgturm, aus dem Rapunzel ihren Zopf herausgehängt haben soll, erzählte unser Fahrer. Die Gebrüder Grimm stammten aus dieser Gegend und nahmen sich einige Landschaften, Burgen und Schlösser als Vorbilder für ihre Märchen.  

Die Diemel ist ein durchaus märchenhafter Kleinfluss, der fast auf der ganzen Strecke durch Landschaftsschutzgebiet führt, häufig sogar abseits der Straßen. Man könnte hier also die Ruhe der Natur genießen, würde man nicht alle paar Minuten schreiend und den Steuermann oder die Steuerfrau verfluchend ins Ufergebüsch oder gegen ins Wasser ragende Bäume paddeln.  

Besonders spaßig auf dieser Tour war die Befahrung mehrere Sohlgleiten – kurze Abschnitte auf denen der Fluss in etwas rapiderer Geschwindigkeit einen kleinen Höhenunterschied überwindet. “Seid leise, ich höre den nächsten Wasserfall”, war der Ausruf, der zunächst für Panik, später aber für Vorfreude sorgte. An drei Stellen wurde der Fluss aufgestaut und es mussten Wehre teils etwas abenteuerlich umtragen werden – raus aus dem Wasser, Boote über Trampelpfade schleifen und hinter dem Wehr wieder meist steil bergab zu Wasser lassen. 

Da an der Mündung der Diemel in die Weser im Ort Bad Karlshafen die Anlegestelle gesperrt war, mussten wir noch eine Stunde weiter auf der Weser nach Beverungen paddeln. Dieser letzte Abschnitt stellte noch einmal höchste Motivations-Ansprüche an schon recht erschöpften Schüler. 

An unserem Bootshaus angekommen wurden die Canadier auf den Hänger geladen und die Zelte abgebaut. Um halb neun am Abend waren alle wieder wohlbehalten in Düren und am nächsten Morgen topfit bei den Bundesjugendspielen (bis auf einen). Insgesamt blicken wir auf ein paar intensive, anstrengende und lustige Tage mit einer sympathischen Mannschaft zurück. Der eine oder die andere wird sicherlich nicht zum letzten Mal im Kanu gesessen haben.