Eine lebendige Schule mit guten Chancen für die Zukunft

Superintendent und Schulreferentin des Kirchenkreises Jülich besuchen das Rurtalgymnasium im gebundenen Ganztag in Düren

Sie müssen sich die Kunstwerke angucken!“

Eine muntere Gruppe Fünftklässler/-innen steht im 2. Stock des Rurtalgymnasiums in Düren vor der Tür des Religionsraumes und wartet auf den Beginn des Evangelischen Religionsunterrichts bei ihrer Lehrerin Andrea Kames. Heute ist aber alles anders als sonst. Denn heute bekommen die Schüler/-innen Besuch vom Superintendenten des Kirchenkreises Jülich, Pfarrer Jens Sannig, und der zuständigen Schulreferentin, Pfarrerin Bernhild Dankert.

Im Stuhlkreis geht es gleich zur Sache. „Wie alt sind Sie? Und in wie vielen Kirchen waren Sie schon?“ Die 2 Mädchen und 10 Jungen haben viele Fragen, stehen aber selbst auch Rede und Antwort darüber, wie ihnen nach 3 Monaten die Schule gefällt, was sie im Religionsunterricht schon alles gemacht haben, welche Verbindung sie zu ihrer Religion haben. Es dauert eine ganze Weile, bis die jeweilige Religionszugehörigkeit geklärt ist. Da sitzen die beiden jesidischen Flüchtlingskinder neben dem Neuapostolen, der Muslim zwischen zwei Evangelischen und die beiden russisch-orthodoxen Mädchen neben dem Jungen gleicher Konfession.

Die Kinder erzählen von ihrer Grundschule, wo sie wohnen und was das Besondere an ihrem Einschulungsgottesdienst war: jede und jeder bekam als Erinnerung an den ersten Schultag am Gymnasium das Bild einer Hand, die sie gleichermaßen trägt und beschützt.

superAls der Superintendent dann fragt, was er sich denn auf dem Schulrundgang ansehen soll, gibt es eine Fülle von Vorschlägen: „Sie müssen sich die Kunstwerke in der Schule ansehen und das Forum, die Mensa, den Chill-Raum, das Multifunktionsfeld, die neue Turnhalle, den großen Bio-Raum und den Garten!“

Selten hat der Superintendent in einer 5. Klasse so viel Identifikation mit der eigenen Schule erlebt wie in dieser Gruppe.

Im Gespräch mit dem Schulleiter Dr. Werner Hickel bestätigt sich der Eindruck, den die Gäste im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern gewonnen haben. Schülerinnen und Schüler erleben das Rurtalgymnasium als „ihre Schule“. Dem Wir-Gefühl kommt sicherlich auch die überschaubare Größe entgegen: Etwa 450 Schülerinnen und Schülern stehen 50 Lehrkräfte gegenüber. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund liegt bei 23 Prozent. Dr. Hickel ist seit zwei Jahren Schulleiter – und man spürt sein Engagement und seine Begeisterung. Dabei hat er mit heftigem Gegenwind aus der Politik zu kämpfen: leichtfertig in die Welt gesetzte Gerüchte über eine mögliche Schließung der Schule verunsichern den Lehrkörper, aber auch insbesondere die Elternschaft. Das Rezept des Schulleiters: den Gerüchten mit tatkräftigem Engagement in der Schule begegnen. „Das Rurtalgymnasium ist eine gesunde Schule mit guter, ruhiger Atmosphäre und einem gut arbeitenden Kollegium.“ So seine Einschätzung.

Als einziges Gymnasium mit gebundenem Ganztag in Düren bietet es an fünf Tagen in der Woche bis 16.35 Uhr Lernangebote, die man (Schule auf der Höhe der Zeit!) online buchen kann. Darüber hinaus – darauf haben ja schon die Schülerinnen und Schüler die Besucher nachdrücklich hingewiesen – stellen Multifunktionsfeld, Chillraum, Mensa und Schülerbibliothek begehrte Attraktionen dar. Man sei, so war zu erfahren, auf dem Weg zur UNESCO-Projektschule. Die Schule engagiert sich über die katholische Gemeinde für das Kinderheim Poconas in Bolivien.

Das Rurtalgymnasium, stabil durchgehend zweizügig ausgerichtet, kooperiert beim Angebot von Leistungskursen erfolgreich und problemlos mit den vier anderen Gymnasien in Düren. Es hat dabei alle Vorzüge eines kleinen Gymnasiums: mit den Schülerinnen und Schülern im Mittelpunkt ergibt sich die Chance auf optimales Lernen.

Natürlich wurde Dr. Hickel nach der Arbeit der evangelischen Religionslehrerin Andrea Kames gefragt. „Sie ist bei Schülern sehr beliebt, aufmerksam und zuverlässig“, so die klare Antwort. Das Ergebnis ihrer Arbeit: Schülerinnen und Schüler bleiben ihrer Religionslehrerin bis zum Abitur treu.

Dass Frau Kames sich auch im Lehrerrat engagiert, spricht für ihre Stellung im Kollegium. „Wir sind froh, Frau Kames an unserer Schule zu haben“, sagt der Schuleiter, der ganz offensichtlich selbst mit Freude an der Arbeit ist.

Jens Sannig, Andrea Kames, Elisabeth Perse und Bernhild Dankert (v.l.n.r.)

Jens Sannig, Andrea Kames, Elisabeth Perse und Bernhild Dankert (v.l.n.r.)

Andrea Kames (evangelischer Religionsunterricht) und Elisabeth Perse (katholischer Religionsunterricht, eine von fünf Lehrkräften in diesem Fach) erzählten den beiden Gästen vom Kirchenkreis vom Alltag ihrer Arbeit. „Der Religionsunterricht beider Konfessionen wird an dieser Schule behandelt wie jedes andere Fach auch.“ So die Auskunft der beiden. Das heißt: Der Religionsunterricht wird nicht auf die unattraktiven Randstunden geschoben, er hat seinen Platz in der Stundentafel wie Mathematik oder Deutsch.

Die Zusammenarbeit der Unterrichtenden beider Konfessionen sei konstruktiv und ohne Probleme. Ökumenische Einschulungs- und Entlassgottesdienste gehörten zum Standardprogramm. Hier werde die nahegelegene evangelische Christuskirche genutzt. „Sternstunden im Advent“ hingegen fänden in der katholischen Pfarrkirche St. Marien statt.

Die Schülerinnen und Schüler lernen auch die jeweils andere Konfession oder Religion mit ihren jeweiligen Ritualen, Bräuche und grundlegenden Texten kennen. Eine gemeinsame Fachkonferenz bietet die Möglichkeit zu gegenseitiger Information und Kooperation. Und nicht zuletzt gab es die wichtige Information: „Das Menschliche im Miteinander der Unterrichtenden beider Konfessionen stimmt.“ Und Andrea Kames werde auch von katholischen Kolleginnen und Kollegen als Person geschätzt.

Der Superintendent dankte den beiden Gesprächspartnerinnen ganz herzlich für ihre Arbeit. „Religionsunterricht ist Gemeinde am anderen Ort“, so seine Überzeugung. Und da sei es eben wichtig, dass auch in diesem Zweig kirchlicher Arbeit engagierte Frauen und Männer mit Freude und von Herzen an der Arbeit seien – so wie eben auch die beiden Religionslehrerinnen am Rurtalgymnasium.

© Bernhild Dankert und Johannes de Kleine