Faust für ALLE in 90 Minuten

„Ich weiß nicht, ob man unbedingt in seinem Leben einen Goethe gelesen haben muss“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Viola Taube, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
(© Die Berliner Literaturkritik, 21.04.08)

Und jetzt das – „Faust“ in NRW und anderen Bundesländern wieder im Lehrplan.

Gott sei Dank, möchte man meinen, wenn man die Interpretation von Goethes „Faust I“ am 16.1.2018 im Musiksaal des Rurtal-Gymnasiums gesehen hat.

Steffen Schlösser, Musiker und Schauspieler, 1984 in Worms geboren, sorgte mit seiner Ein-Mann-Show „Faust für ALLE in 90 Minuten“ für kurzweilige Unterhaltung am Dienstagmorgen.

Erfrischend anders wurde hier gezeigt, dass die Klassiker durchaus ihre Daseinsberechtigung haben und die Botschaften, die diese für uns bereithalten, immer noch Gültigkeit besitzen. Es kommt halt wie immer darauf an, was man aus den literarischen Vorlagen macht. Und der Schauspieler machte einiges daraus. Nahe am Text, ab und an aber auch frei im Umgang mit der Vorlage, bewies Steffen Schlösser, dass er sein Handwerk versteht. Nicht nur das Erklären von komplizierten Sachverhalten, Symbolen oder für uns heute unverständlichen Wörtern aus dem Stück bereicherten sein Spiel, auch die Integration des Publikums in die Abläufe auf der Bühne waren sehenswert. Das Ganze dann auch noch garniert mit einer Sprache, die den Ruf nach mehr zeitgenössischer Literatur in der Schule verstummen lässt oder zumindest aber zeigt, dass klassische Literatur und Literatur der Gegenwart eine Symbiose eingehen können. Trotz minimalem Bühnenequipment, Kostümierung und Accessoires ist es Schlösser von der ersten bis zur letzten Minute gelungen, mit seinem intensiven Spiel und seiner Bühnenpräsenz die Oberstufenkurse zu fesseln, ja zu begeistern.

Weiter so, möchte man meinen, Klassiker gehören immer noch in die Schule – Theaterstücke allerdings weg von der Schulbank hin auf die Bühne. Gut, dass der Faust im Lehrplan steht und gut, dass die Wünsche und Vorstellungen prominenter Persönlichkeiten in unserer Gesellschaft immer noch kritisch hinterfragt und nicht unreflektiert als Faktum gesehen werden.

Ein besonderer Dank geht an alle aktiven Mitspieler aus den Kursen, die ohne große Hemmungen in die Rollen von Wagner, Valentin, Gretchen und die Hexen schlüpften.

Wer sich über den Schauspieler, seinen Lebenslauf, seine beruflichen Erfolge und Projekte informieren möchte, findet hier die Informationen:

https://www.steffenschloesser.com/